• HHReichelt

Tiger Woods, vor 23 Jahren hat er ja gesagt...!

Es gibt denkwürdige Reden.

Denkwürdige Reden sind Reden, die etwas bewegen. Die einem unter die Haut gehen. Und zwar nicht nur dann, wenn sie gehalten werden. Sondern auch noch Jahre, ja, Jahrzehnte danach.

John F. Kennedy, 35. Präsident der Vereinigten Staaten, hat so eine Rede gehalten. Es war am 26. Juni 1963 in Berlin vor dem Schöneberger Rathaus, als er den legendären Satz "Ich bin ein Berliner" prägte. In seinem ersten Amtsjahr als Präsident hatte Kennedy 1961 den Mauerbau hingenommen. Nun, zwei Jahre später, wollte er in seiner Rede klar stellen, dass die USA West-Berlin keineswegs dem sowjetischen Kommunismus überlassen würden. Kennedy und all seine Nachfolger haben Wort gehalten. Kennedy selbst wurde fünf Monate nach dem Berlin-Besuch am 22. November 1963 bei einem Attentat in Dallas von zwei Gewehrschüssen hingerichtet!

I have a dream ("Ich habe einen Traum") ist der Titel einer anderen denkwürdigen Rede - Babtistenpfarrer und Nobelpreisträger Martin Luther King jr. hat sie am 28. August 1963 in Washington gehalten.


Bei der Kundgebung in der US-Hauptstadt beschwört King die Vision völliger Rassengleichheit. Fünf Jahre später, am 4. April 1968 wird der charismatische Anführer der Bürgerrechtsbewegung in Memphis, Tennessee, ermordet. Um 18.01 Uhr Ortszeit.

Aus sportlicher Sicht hat auch Tiger Woods für mich eine denkwürdige Rede gehalten. Als er heute vor genau 23 Jahren, mit gerade mal 20 Jahren, ja sagte, indem er der Welt an einem Augusttag verkündete:" Hello world, ich werde Profigolfer." Sein erstes Golf-Turnier als Profi waren die Greater Milwaukee Open, die Tiger Woods auf dem geteilten 60. Rang abschloss.


Ein Farbiger wird Golfprofi! Eine Sensation. Welch eine Herausforderung an die Gesellschaft. Ein afroamerikanischer Spieler auf der Tour! Als Tiger Woods im folgenden April 1997 das Masters in Augusta gewann, hatten die Offiziellen lange zusammen gesessen und sich beratschlagt, um die Frage zu klären: Können wir einen Farbigen im altehrwürdigen Augusta aufteen lassen?


Zähneknirschend haben sie ja gesagt - und somit die Tür geöffnet für eine einzigartige Golfkarriere. Mit einem Rekord-Ergebnis von 18 unter Par (270 Schläge) und dem Rekord-Vorsprung von 12 Schlägen gewann Woods damals sein erstes Major-Turnier. Er war nicht nur der jüngste Masters-Sieger aller Zeiten, sondern zugleich der erste afroamerikanische Sieger.

15 Major-Turnier hat der Tiger in seiner Profi-Laufbahn gewonnen, mehr als ein Jahrzehnt war er die Nummer 1 in der Welt, er gehört zu den bestbezahlten Sportlern der Sportgeschichte. Er heißt eigentlich Eldrick Tont, aber wer nennt ihn schon Eldrick Tont? Alle Welt sagt Tiger zum Tiger. Den Spitznamen bekam er nicht etwa, als er begann die Fairways der Welt zu beherrschen, sondern schon bei seiner Geburt. Von Vuong Dang Phong, einem Freund seines Vaters, mit dem Earls Woods, Oberstleutnant der United States Army, im Vietnamkrieg gekämpft hatte.

Tatsächlich hat der Tiger in seinen 23 Profijahren viel mehr erreicht, als sein Bankkonto unaufhörlich mit unglaublichen Preisgeldern und bestbezahlten Werbeverträgen

zu füllen!

Der Tiger hat in der Golfwelt geschaffen, was Boris Becker in der Tenniswelt gelungen ist: Er hat Millionen Menschen für den Golfsport begeistert, regelrecht elektrisiert. Und er hat in 23 Jahren Millionen Kids animiert, auf den Golfplatz zu gehen und den Schläger zu schwingen. Er hat viele, viele auf diese Weise von der Straße geholt. Er hat ihnen eine Vision vorgelebt, eine Vision, so zu werden wie er, der Tiger!

Der Tiger ist ein Magnet!

Ich selbst kann das sehr gut beurteilen. In meinem Heimatclub GC An der Pinnau ist die Jugendabteilung mittlerweile eine richtig große Abteilung. Die Jungen und Mädchen sind gerade aus den Windeln raus, wenn ihre (golfbegeisterten) Eltern mit ihnen um die Ecke biegen, die Schläger auf Knirpslänge absägen lassen und die Kleinen auf die Driving Range stellen. Ich sehe die Kids mit ihren sieben, acht, neun Jahren, die sich biegen wie ein Flitzbogen und die Bälle durch die Luft treiben. Nein, durch die Luft jagen. Und vor allem sehe ich glückliche Kinder, die fröhlich und gut gelaunt und enagiert gemeinsam auf die Runde gehen. Golfen, immer besser werden, immer länger werden, immer genauer annähern - das ist ihre Leidenschaft. Statt irgendwo zu Hause auf der Couch zu sitzen und sich Internetspiele reinzuziehen!

Allein dafür, für die Entfachung dieser Begeisterung, sollten wir alle Tiger Woods dankbar sein.

Und deswegen war es für mich eine denkwürdige Rede und eine folgenreiche Entscheidung, die er an diesem Augusttag mitgeteilt hat, und die sich nun zum 23. Male jährte. "Hello world, ich werde Profigolfer!"


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MEDIZIN FÜR MENSCHEN

 

Hans-Heinrich Reichelt

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