• HHReichelt

Zaster in Zagaleta

Ich will es mal so sagen: Mit 'ner Mio musst Du da gar nicht erst kommen.

Für 'ne Mio kriegst Du gerade mal 'ne Box für Deinen Schlägersatz oder 'n Carport für Deine Golfkarre!

Mit 'ner Mio gehörst Du hier zu den ärmsten Schluckern.

Fünf, sechs, lieber 100 Mio solltest Du schon mitbringen, wenn Du möchtest, dass Deine Nachbarn Dich ernst nehmen! Respekt ohne Zaster - das ist nicht einfach unter Zaster-Menschen!

Ich rede von La Zagaleta. Ich rede von Europas wohl schönster und exclusivster und teuerster Wohn-und Golfanlage. Sie liegt in Andalusien, sie schmiegt sich an die hügeligen Abhänge der Bergkette von Ronda, mit einer spektakulären Aussicht auf das Mittelmeer, die Meerenge von Gibraltar und den großzügigen Golfplatz. La Zagaleta bedeutet luxuriöses Zuhause inmitten von Natur und Ruhe. Die Grundstücke, die alle mindestens 3000 Quadratmeter - idealerweise aber 10.000 Qudadratmeter - groß sind, sind so weit voneinander getrennt, dass die Tiere des Areals, die Rehe, Hirsche und die Mufflon, über ausreichend Bewegungsfreiheit verfügen.

Muss ich erwähnen, dass die meisten Bewohner mit dem Heli einfliegen? Nein, das versteht sich ja wohl von selbst.

Ich habe hier einmal gespielt! Wer in den Hügeln von Zagaleta golfen möchte, der kann nicht einfach im Sekretariat eine t-time vereinbaren, jede Menge Geenfee auf den Tisch blättern, seinen Putter putzen, seinen Driver raus holen und dann loslegen. Nein, mit Greenfee läuft hier in Zagaleta gar nichts. Hier dürfen nur Bewohner spielen oder deren Gäste. Und dann natürlich ohne Greenfee, die Kreditkarte darf also stecken bleiben. Auch mal schön!

Einer meiner Golffreunde hatte damals einen Golffreund, der sich eine dieser spektakulären Villen leisten konnte. Und der war natürlich mächtig stolz darauf, seinen alten Hamburger Kumpels endlich mal zu zeigen, wie weit er es im Leben gebracht hatte. Mit Immobilien in diesem Falle! Er war damals einer der Ersten, der sich für ein Anwesen auf diesem 1000 Hektar großen Areal entschieden hatte. Das war auch deshalb nur möglich, weil der Vorbesitzer der Gesamtanlage gerade Insolvenz angemeldet hatte....dabei handelte es sich um den legendären Waffenhändler Adnan Kashoggi, der hier auf seinem Jagdgut in Zagaleta seine wilden Araber - ich meine seine Pferde - austoben und ausbilden ließ.

Von seiner Frau hatte er sich damals gerade getrennt. Soraya hieß sie, die er nach guter arabischer Sitte in die Wüste geschickt hatte. Das Ritual war denkbar einfach - es lautete: Ich verstoße Dich. Ich verstoße Dich. Ich verstoße Dich.

Und schon war sie verstoßen. Mit 950 Millionen Dollar Abfindung!







Wie gesagt, als es Kashoggi hier nicht mehr gab, bauten die neuen Herrscher einen Golfplatz - und deshalb kam ich an diesen märchenhaften Ort. Der Freund von meinem Freund zeigte uns vor der Runde erst einmal das alte private Waffenarsenal von Kashoggi - dann teeten wir auf und legten los. 18 Bahnen, einfach einzigartig, 18 Greens, die so gepflegt waren, dass ich sie am liebsten nicht betreten hätte.

Aber, wie Golfer so sind, sie sehen eine Fahne, vermuten dort (völlig zu Recht) ein Loch, Schluss mit Pardon fürs Green.

La Zagaleta hat sich in all den Jahren gut entwickelt. Mittlerweile sind es zwei 18-Loch-Plätze, die sich hier präsentieren. Im 5000 Quadratmeter großen Clubhaus können rauschende Feste gefeiert werden, wie selbstverständlich gibt es ein Schwimmbad, einen Billardsaal, einen Bridgesaal, einen Partysaal. Wer reiten will, kann reiten, und wer die Boxen seiner Pferde nicht selbst ausmisten möchte, der muss das auch nicht tun.

Es gibt ausreichend Ausmister in La Zagaleta.

Ich frage mich immer - schon damals bei meiner ersten Runde - wie kann man so viel Geld machen, dass man sich diesen unglaublichen Luxus leisten kann. Was sind das für Geschäfte, die das ermöglichen? Waffen? Drogen? Geldwäscherei? Häuserbau? Kreuzfahrtschiffe? Kaffeebohnen? Klamotten?

Ich bin nicht neidisch, schon deshalb nicht, weil ich nicht weiß, wie es sich anfühlt, in den Schuhen anderer Leute zu leben. Da kann man böse Überraschungen erleben. Aber die Fragen stelle ich mir schon.

Ich arbeite seit über 50 Jahren. Ich weiß nicht, wieviel Zeilen ich in die Tastaturen von Schreibmaschinen und Laptops gehämmert habe. Es sind Zigtausende, und es sind Millionen Menschen, die gelesen haben, was ich in den Jahrzehnten geschrieben habe.

Aber La Zagaleta als feste Adresse, als fester Wohnsitz für mich?

Ein Millionen-Wohnsitz - erschrieben von Hans-Heinrich Reichelt?

Nein, nein, völlig ausgeschlossen. Für 'nen Dachausbau hätten meine Honorare vielleicht gereicht...aber wenn's dann rein regnet, und das Wasser an den Wänden entlang in die imposante Eingangshalle der unteren Bewohner getropft wäre, hätte ich schon ernste Schwierigkeiten wegen der Handwerker-Rechnungen gekriegt!

Ok, ich lebe nun mal nicht in La Zagaleta, ich wohne in Hamburg an der Elbe, in einem der schönsten Stadtteile, in einem Haus der Jahrhundertwende. Es sind keine Bodygards und keine versteckten Kameras nötig, um mich abzuschirmen, um mich zu schützen. Den Rasen mähe ich selbst, den Müll bringe ich persönlich nach unten, morgens hole ich mir Brötchen aus dem Backhus, wer mich besuchen will, klingelt einfach. Kurzer Speach über die Sprechanlage mit mir, dann drücke ich auf den Türöffner, zack, die Tür ist offen. Der Weg zu mir ist frei. Keine bewachte Schranke, an der bewaffnete Kerle stehen und meine Besucher erst einmal von oben bis unten abscannen...

So ist es, wenn man nicht in La Zagaleta wohnt.

Das Leben außerhalb eines solchen Areals hat Vorteile!

Aber, wenn ich ganz, ganz ehrlich bin:

Ich kann die XXL-Millionäre, die sich Zagaleta leisten, verdammt gut verstehen!

Denn diese opulente Anlage, nur zehn Minuten von Marbella und der Mittelmeerküste entfernt, mit dem einzigartigen Blick in die Berge und aufs Wasser, mit Concierge-Service und 24-Stunden-Sicherheit und locker 300 Sonnentagen im Jahr, dieses La Zagaleta an der Costa del Sol ist schlichtweg der Hammer!

Ich glaube, ich fange mal an zu sparen! Auf ein Häuschen im Paradies von Andalusien!

Dann fliege ich auch im Heli nach Hause, statt im Regen auf der A 7 im Stau zu stehen!


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MEDIZIN FÜR MENSCHEN

 

Hans-Heinrich Reichelt

Chefredakteur

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D – 25451 Quickborn

Tel +49 172 4223010

hhreichelt@me.com

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