Der Kuckuck in Corona-Zeiten - Geld genug für's ganze Jahr!

Kuckuck, Kuckuck!

Kennt Ihr den Ruf dieses Vogels? Natürlich kennt Ihr ihn!

Dieses kurze, knackige Kuckuck, Kuckuck hebt sich deutlich vom Gezwitscher der anderen Vögel ab.

Ich höre dieses Kuckuck, Kuckuck wahnsinnig gern.

Im vernünftigen Abstand, damit das Virus keine Chance gegen uns hat: Günni (r.) und ich


Wenn ich auf der Golfrunde den Ruf des Kuckucks höre, greife ich sofort in meine Hosentasche und klimpere mit meinem Kleingeld. Die Legende sagt, wenn man beim ersten Ruf des Kuckucks mit seinem Kleingeld klimpert, kann man gewiss sein, während des ganzen Jahres ausreichend Geld in seinen Taschen zu haben...!

Also, somit habe ich heute für 2020 meine finanziellen Weichen gestellt!

Es war kurz nach zwei Uhr nachmittags, als ich das Kuckucksmännchen hörte! Warum ich weiß, dass ein Kuckucksmännchen meine wirtschaftliche Lage geklärt hat? Ganz einfach - weil nur ein Männchen den Kuckucksruf von sich gibt. Das macht er, um das Weibchen zu umgarnen und sein Revier zu markieren...! (Vielleicht sollte ich auch öfter mal Kuckuck rufen...)

Ich höre den Kuckuck seit 36 Jahren (ich denke, das wird immer mal ein anderer Kuckuck sein...) auf 'meinem' Golfplatz, an der Pinnau. Weil ich seit 36 Jahren hier meine Runden drehe...aber die Runde, die ich heute gegangen bin, die war die Golf-Premiere meines Lebens!

Golf in Corona-Zeiten! Die ersten Putts, die ersten Drives nach Wochen der Quarantäne. Endlich wieder in Freiheit! Ein Traum bei Sonnenschein, super gepflegter Platz, neun Löcher mit meinem Freund Günni, und doch ist so vieles anders. Beruhigend anders? Oder beunruhigend anders?

Ich habe noch keine Antwort.

T-time online über Albatros. Maximal Zweier-Flights. Günni und ich haben eine Startzeit für 13.30 Uhr, C-Kurs. Ich liebe diesen Kurs, er ist der jüngste in unserem Club. Ich bin eine gute halbe Stunde vor der Startzeit auf dem Parkplatz. Ich parke so, dass zwischen meinem Polo und dem nächsten Wagen ein Platz frei ist. Ich will ja keinem zu nahe kommen.

Dann mein Gang Richtung Clubhaus. Ich höre viele 'Hallos' - sehe keine Umarmung. Klar, bei 1,5 Meter Abstand wäre das auch schwierig.

Jürgen, einer der Längsten in meinem Club, fragt mich:"Heiner, hast Du den Weg zur Pinnau noch gefunden...?"

"Klar," sage ich, "Navi...ich habe einfach 'gute Freunde' eingegeben, dann hat er mich hergeführt..."

Alle lachen. Alle? So viel sind ja gar nicht da...vielleicht vier oder fünf hören diesen Dialog.

Lutz ist da, der engagierte Chef im Pro-Shop. Er bedient draußen und drinnen. Wer in seinen Laden will, trägt Mundschutz. Lutz sowieso - ich sehe Lutz (Lutzi, wie ich ihn nenne) zum erstenmal in meinem Leben mit Mundschutz.

Ich hole meinen Trolley aus dem Trolley-Stall. Maximal zwei Leute dürfen gleichzeitig da rein. Ich rufe von unten:"Hallo, ist da jemand...?"

Keine Antwort.

Ich rufe sicherheitshalber noch einmal:"Hallo, ist da jemand...?"

Wieder keine Antwort. Super, Bahn frei. Ich steige die Stiege hoch, bereite Trolley und Bag vor. Ab Richtung Driving Range.

Vor dem Ballautomaten steht eine Abgrenzung, links eine Kordel, rechts eine Kordel. Ein Pfeil zeigt mir die Richtung zum Ballautomaten - ein anderer Pfeil zeigt mir den Weg weg vom Ballautomaten. 20 Minuten Bälle-Schlagen sind auf der Range erlaubt.

Ich habe seit Monaten keinen einzigen Ball geschlagen...die Quittung dafür bekomme ich auf der Range. Bitter, bitter, Heiner.

Günni ist da. Wir gehen rüber zum C-Kurs. Jeder achtet auf Abstand, natürlich haben wir guten alten Kumpels uns nicht die Hand gereicht zur Begrüßung, geschweige uns (wie sonst üblich) in den Arm genommen.

Am 1. Tee auf dem C-Kurs wartet der Marshal mit seiner Uhr. Jeder soll pünktlich starten. Nicht zu früh, nicht zu spät. "Wenn das Ordnungsamt kommt und sieht, dass ein paar Leute sich zu nah kommen, machen die den Platz dicht."

Das wollen wir natürlich nicht. Also Abschlag um 13.30 Uhr - den Flight vor uns sehen wir kaum noch. Gefahr erkannt, Gefahr gebannt.

Günni drived, als hätte er in den letzten Wochen heimlich trainiert. Ich spiele so, wie ich es erwartet, nein, befürchtet habe...aber die Sonne scheint. Und wir sind wieder draußen. Unter Freunden! Das ist doch wichtiger als ein gehöriger Drive.

Worüber reden Günni und ich auf den ersten Bahnen?

Worüber wohl? Über Corona! Jeder von uns beiden hat dazu etwas zu sagen, zu meckern, zu beklagen. Jeder kennt einen, der einen kennt, der auch einen kennt, der tatsächlich Corona hatte und in der Klinik war. Sogar am Beatmungsgerät...wie wunderbar, nach fünf Wochen Klinik gerettet! Mit 86 noch mal von der Schippe gesprungen. Das ist doch auch was!

Langsam wird es uns zu bunt. Günni sagt:" Merkst Du was, wir reden nur über diesen Drecks-Corona-Virus?"

Na klar merke ich das und habe sofort einen Verbesserungsvorschlag:"Lass uns über Sex (ich habe es noch etwas klarer ausgedrückt...) reden."

Günni ist einverstanden. Das hätte ich auch nicht anders gedacht. Unsere Sexthemen ...Warum sind Lesben Lesben? Wie machen sich's die Lesben schön? Sind Lesben vielleicht auch noch ein bißchen bi? Wir reden über die Lesben, die wir aus dem Fernsehen - beispielsweise aus Talk-Shows - so kennen. Natürlich lassen wir an ihnen kaum ein gutes Haar...was sollen wir schon von Frauen halten, die nix von uns Männern wollen?

Herrlich - wir lachen über unsere Vorurteile, und die Bälle fliegen.

Wir lachen, aber wir hören kein anderes Lachen. Totenstille auf dem Platz. Jeder ist von dem anderen so weit weg, dass er niemanden hört. "Ich komme mir vor, als würden wir auf einem Privatplatz spielen," sage ich zu Günni. Er nickt, ansonsten keine Antwort. Ich setze noch einen drauf. "Rory McIlroy hat gesagt, er würde den Ryder Cup lieber absagen, als ohne Zuschauer zu spielen, bitte kein Golf-Geister-Ryper-Cup..." Diesen Gedanken kann Günni gut verstehen. "So ein Event ohne Menschen, ohne Emotionen - das ist wie Totentanz."

Stimmt - wir sind uns wieder mal einig.

Nach acht Bahnen hat Günni fünf Pärchen gespielt - auf der Neun hat er auch die Chance dazu. Aber den dritten fegt er über das Grün, der Vierte ist zu kurz, der Fünfte ist fast an der Fahne, der Sechste ist drin.

Na also. Hand reichen? Das kommt natürlich nicht in Frage! Im angemessenen Abstand verlassen wir den C-Kurs. Um eine Erfahrung reicher, die wir am liebsten nicht gemacht hätten. Aber so isses nun mal in Corona-Times.

Ökonomie und somit die herrliche Pinnau-Terrasse sind tabu für uns Golfer nach der Runde. Da, wo normalerweise das Leben tobt, wo geflirtet, diskutiert, gestritten und über mißratene Putts und atemberaubende Drives diskutiert wird, ist verwaist. Unser Wirt Pietro allerdings ist da - ein paar Pfeile zeigen den Weg HIN zu ihm, ein paar Pfeile wieder den RÜCKWEG.

Also, kein Grevensteiner auf der Terrasse!?

Günni ist clever, er denkt immer einen Schritt weiter. So auch heute...

Was das bedeutet? Er hat zwei Grevensteiner in seinem Audi gebunkert - ein Fläschen für ihn, ein Fläschchen für mich. Er hat alles dabei - Flaschenöffner, Glas, notfalls auch eine weitere Flasche. Aber wir beide trinken nur jeder eine...schließlich ist die Anordnung der Behörde klar: Wir müssen nach der Runde unverzüglich das Golfgelände verlassen.

Das machen wir auch. Günni mit seinen 450 PS, ich mit meinen 90 PS.

Meine Abfahrt verzögert sich um ein paar Minuten.

Die Pizza, die ich normalerweise auf der Terrasse essen würde, bestelle ich nun bei Pietro, unserem sympathischen italienischen Wirt - eine Thunfisch-Pizza to go.

"Wie lange hält die warm?" frage ich ihn. "Wo wohnst Du?" fragt er mich.

"Zehn Minuten von hier..."

"OK," sagt er, " dann ist besser, Du gibst Gas..."

Das hätte ich dann auch gern gemacht mit meiner Pizza auf dem Beifahrersitz. Aber auf dem Rückweg stand ich im Stau...und als ich nach 20 Minuten zu Hause ankam, war die Pizza...ja, was wohl...KALT!

Was paßt zu einer kalten Pizza? Genau, ein kaltes Glas Weißwein!

So habe ich dann auf meiner Terrasse gesessen und einen wunderbaren Golftag Revue passieren lassen.

Ehrlich - ich war so happy wie lange nicht mehr nach einer Golfrunde.

Jetzt hoffe ich nur noch, dass die Sache mit dem Kuckuck und ausreichend Geld für's ganze Jahr stimmt!










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MEDIZIN FÜR MENSCHEN

 

Hans-Heinrich Reichelt

Chefredakteur

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