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Mein Heimatclub - was ist das eigentlich?

Vor ein paar Tagen sprach ich mit meiner Golffreundin Mary und meinem Freund Ali über unseren Club. Jeder von uns hatte etwas zu loben, einiges zu meckern, Verbesserungsvorschläge zu artikulieren. Ganz normale Konversation.

Wir sprachen also über unseren Heimatclub. Über den Golfclub An der Pinnau. Auf der Homepage steht klipp und klar und selbstbewußt:" Wer Golf in seiner schönsten Form erleben will, ist im Golf-Club An der Pinnau golfrichtig. Denn nur 25 Minuten vom Zentrum der Hansestadt Hamburg entfernt, erwartet den ambitionierten Golf-Einsteiger bis hin zum ergebnisorientierten Profi, der wohl schönste Golfplatz Norddeutschlands."

Hier bin ich Mitglied - und das seit 36 Jahren! Ich empfinde die Pinnau - wie wir den Club liebevoll nennen - als mein zweites Zuhause. Der Golfclub An der Pinnau ist mein Heimatclub. Hier zahle ich monatlich meinen Beitrag, hier wird mein DGV-Ausweis geführt.

Aber was ist eigentlich ein Heimatclub, was ist für Mich Mein Heimatclub? Was bedeutet es, einen Heimatclub zu haben? Sind das einfach nur 100 Hektar Land mit 27 Bahnen, 27 Abschlägen und 27 Greens?

Nein, natürlich nicht! Ein Heimatclub ist mehr, viel mehr!

o Ich habe hier Männer kennengelernt, die meine besten Freunde geworden sind! Ali, Kurt, Günni - wie wunderbar, dass es Euch gibt! Geschenke fürs Leben! Männer fürs Leben!

o Ich habe hier Kinder auf der Driving Range groß werden sehen, die längst eigene Kinder haben.

o Ich habe hier Bäume wachsen sehen, die ich vor drei Jahrzehnten gepflanzt habe. Mittlerweile sind die Birken zehnmal größer als ich. Und schlanker!

o Ich bin stolz und happy, dass wir seit Jahren 27 Bahnen haben. 27 Meisterschaftsbahnen, und die, die damals über die Pinnau die Nase gerümpft haben, zahlen heute gern und locker und ohne groß zu murren 80 Euro Greenfee bei uns.

o Ich habe damals Hamburger Golfer erlebt, die sich über unseren Platz lustig gemacht haben, die sich abfällig äußerten, weil er jede Menge Maulwurfshügel und Gänseblümchen zu bieten hatte. Außerdem standen die ersten neun Bahnen oft unter Wasser, was zur Folge hatte, dass die Hähmischen nicht vom Golfclub AN der Pinnau sprachen, sondern vom Golfclub UNTER der Pinnau.

o Ich parke meinen Wagen auf dem Parkplatz...und von irgendwo ruft einer Sekunden später meinen Namen. 'Hi Heiner...' Und auf dem Weg vom Auto zum 1. Tee treffe ich mindestens fünf Pinnauer, mit denen ich kurz klöne. (Das hat vor vielen Jahren meiner Frau Katrin das Leben gerettet, weil mir unser Pinnau-Doc Schal nach einer kurzen Schilderung ihrer Beschwerden dringend empfahl, sofort wieder nach Hause zu fahren und Katrin in die Tropenklinik zu bringen)

o Ich habe Männer erlebt, die Witwer geworden sind, Frauen, die plötzlich ohne ihren Mann da standen. Ich habe erlebt, wie sie ihre Tränen getrocknet...und irgendwann das Lachen wieder gelernt haben. Manchmal sogar mit einer neuen Liebe an der Seite.

o Ich habe Eltern erlebt, die ihr Kind verloren haben...und ich habe Menschen erlebt, die diese verwaisten Väter und Mütter aufgefangen haben. (Be-)rührend, voller Leidenschaft. Empathie pur.

o Ich habe hier mit Mike Krüger Herrennachmittage gespielt...und anschließend im Clubhaus (damals der ehemalige Schweinestall) Tränen gelacht. Danke Mike, schade, dass Du nicht mehr bei uns bist.

o Ich habe an der Pinnau meine beste Runde gespielt - und meine schlechteste. Zwei über Par (!!!) war meine Beste (danach haben wir die Schampus-Bar leer getrunken) - meine schlechteste war so schlecht, dass mich ein Mitspieler beim Herrennachmittag nach der fünften Bahn aufforderte:"Am besten, Du hörst auf. Du reißt ja mit Deiner Hackerei den ganzen Flight in den Abgrund..." Unsportlicher ging's wirklich nicht...aber ich habe dafür gesorgt, dass er diese Nummer bereut hat.

o Ich habe erlebt, wie ein Golfer auf der Scorekarte aus einem Strich eine '4' gemacht hat. Natürlich kam's raus...und er verließ den Club.

o Ich habe die herrlichsten und skurilsten Eifersuchtsszenen erlebt...und Backpfeifen unter Frauen. Und ich war dabei, als die betreffende Person bei einer Siegerehrung mit zwei Boxhandschuhen ausgestattet wurde. Unter dem tosenden schadenfrohen Gejohle all der Anwesenden!

o Ich bin hier Frauen begegnet, denen ich näher gekommen bin. So isses manchmal - man geht siezend auf die Runde und kommt händchenhaltend zurück...

o Ich habe hier wahre Sprüche gehört - einer davon lautet:"Golfen ist wie die Liebe! Wenn du die falsche Entscheidung triffst, bricht dir das Herz."

o Ich habe hier viele Stunden auf der Terrasse gesessen. Getrunken, gelacht, gegessen, philosophiert, manches besser gewußt, geflirtet, gute Gespräche geführt, gute Gedanken entwickelt, oft auch anderen gelangweilt zugehört. Terasenleben eben.

o Ich bin (Hin-und Rückfahrt 75 Kilometer) etwa 100.000 Kilometer gefahren zwischen der Pinnau und meinem Zuhause.

o Ich bin mal fremdgegangen - d.h. ich hatte meine Mitgliedschaft ein Jahr lang ruhen lassen und war in dieser Zeit Mitglied in einem Berliner Club. Als ich zurück kam, hatte ich das Gefühl, ein paar hatten mich vermißt. Ein schönes Gefühl.

o Ich bin vor ein paar Tagen ins Clubhaus. Natürlich wußte ich, dass die Ökonomisten Urlaub machen - aber im Halbdunkel saßen ein paar Damen, die ein paar Löcher gegangen waren. Sie hatten Schnitten dabei ... und ein paar Flaschen Wein. Rot und Weiß. Und es dauerte keine zwei Minuten, bis eine der Damen sagte 'Heiner hat Durst...', und dass mir eine der anderen Damen ein Glas besorgte und es mit Rotwein füllte.

o Das nenne ich zweites Zuhause. Das nenne ich Heimatclub!

Ich frage Euch: Habt Ihr auch einen Heimatclub - oder nur einen Club?

Ich bin neugierig auf Eure Antworten!




MEDIZIN FÜR MENSCHEN

 

Hans-Heinrich Reichelt

Chefredakteur

Justus-von-Liebig-Ring 3g

D – 25451 Quickborn

Tel +49 172 4223010

hhreichelt@me.com

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