Matchplay im GC An der Pinnau - da gewinnt sogar der Verlierer...


15 Uhr, Tee 1, Start zum Matchplay, Lochspiel in meinem Heimatclub GC An der Pinnau.

Ich habe fünf vor, die Sonne scheint, kein Flight vor uns, niemand hinter uns. Es fühlt sich an wie eine Runde auf einem Privatplatz. Mit anderen Worten: beste Voraussetzungen!

Hcp 13,9 (Frank) gegen hcp 18,8 (ich)!

Der Sieger kommt eine Runde weiter.

Der Verlierer auch - allerdings in der lucky looser-Abteilung!


Die Seele lebt von dem, worüber sie sich freut. Diesen klugen Satz kenne ich seit Jahren.

MEINE Seele würde sich über eine 'Runde weiter' sehr freuen. Ich kenne meine Seele.

Die ist wie ich. Die will gewinnen, will sich freuen!

Mit meinem ersten Abschlag allerdings kassiert meine Seele schon mal einen gehörigen Dämpfer.

Ich verziehe den Drive nach links. Der Ball landet irgendwo im Bereich der roten Pfähle, schlimmer noch: Wir finden ihn nicht. Also droppe (natürlich aus Kniehöhe...) ich einen, das ist nun schon der dritte.

Am Ende teilen wir das Loch. Aber nur, weil ich hier gleich mal einen vor habe. Ich spiele auf dem Par 5 eine '7', Frank eine '6'.

Gerettet, tief durchatmen.


Ich horche in mich hinein. Was macht mein Rücken? Gilt Ibuprofen eigentlich als Doping? Wie auch immer - ohne Ibuprofen hätte ich den Start absagen müssen. Aber so geht's...der Rücken verhält sich ruhig. Danke, Ibuprofen.

Wer hat eigentlich Ibuprofen, die Wunderwaffe gegen Schmerzen, erfunden? Entwickelt? Erforscht?

Danke, Stewart Adams! Danke, Du britischer Forscher! (Danke google, dass meine spontane Frage innerhalb weniger Sekunden beantwortet worden ist.)

Ok, ich melde mich doch nicht zur großen Matchplay-Runde, um nicht gewinnen zu wollen!

Klar, ich will als Champ vom Grün! Gefeiert! Bewundert! Heiner, Heiner rufen die Groupies...!

Ich will die längeren Drives, die genaueren Annäherungen, die perfekteren Putts.

Aber warum eigentlich?

Warum spiele ich nicht, nur, um zu spielen?

Warum will ich gewinnen?

Ich habe bei Sportlern nach Wettkämpfen schon so viele Gefühle gesehen: Wut. Frust. Trauer. Verzweiflung, Apathie. Leere, tote Augen. Aggression - gegen sich und gegen andere. Ich habe Athleten beobachtet, die hemmungslos geweint haben. Manche lagen hilflos auf dem Boden, andere wanderten sekundenlang ziellos herum.

Wenn Athleten Erfolg haben möchten, müssen sie ihr ganzes Leben dem Sport unterordnen und im entscheidenden Moment topfit sein.

Und wenn sie das denn nicht sind. Ja, dann legen die Emotionen mal so richtig los.

Profisportler ziehen ihr Selbstbewusstsein zu einem erheblichen Teil aus sportlichen Erfolgen und ihrer körperlichen Leistungsfähigkeit.

Wenn diese sportlichen Erfolge dann ausbleiben, kann es schon mal zu krassen Minderwertigkeitsgefühlen kommen. Selbstzweifel, Depression.

Nein, nein, keine Sorge. Nicht bei mir.


Ich bin schließlich kein Leistungssportler, sondern ein Hobbygolfer, der ganz einfach nur gewinnen möchte.

Ich werfe nicht mit dem Schläger, ich trete auch nicht gegen das Bag, ich fluche nicht lauthals, wenn wir etwas nicht gelingt.(Da hätte ich auch viel zu tun!)

Ich übe mich einfach in Demut.

Ja, und dazu hatte ich auf dieser Runde mit und gegen Frank ausreichend Gelegenheit.

Denn, als wir uns auf dem 18. Green die Hand reichten, weil ich nicht in der Lage war, die 18 zu gewinnen und damit den Marsch auf die '19' erzwungen hätte, war Frank der Sieger.

Congrats! Der Bessere hat gewonnen! Ich wäre gern der Bessere gewesen!

Heute sollte es nicht sein.

Auf der Terrasse tauchte dann nur noch die Frage auf:

Wer gibt einen aus? Der Sieger oder der Verlierer?

Hm, ganz einfach! Das erste Glas Grauburgunder ging auf den Zettel des Siegers, das zweite Glas auf den Zettel des Verlierers.

Auf der Heimfahrt habe ich dann noch mal über das Ende nachgedacht, und mir wurde klar: Ich bin ja nicht nur Verlierer, ich bin ja auch Gewinner.

Immerhin bin ich in der Gruppe der 'lucky looser' eine Runde weiter!

Geht doch! Oder?

#golf #matchplay #pinnau #proshop #gewinner


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MEDIZIN FÜR MENSCHEN

 

Hans-Heinrich Reichelt

Chefredakteur

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