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Warum ich bei diesen apokalyptischen Bildern an den Milchzahn meines Sohnes denken muss!


Es ist Samstagmorgen. Es regnet, Schietwetter, wie man in Hamburg sagt.

Ich stehe vor Ruinen, es riecht verkohlt. Ein apokalyptisches Bild.

Ganz ehrlich, es schaudert mich. Das, was ich sehe, macht mich traurig. Ich sehe, was Feuer anrichten kann. Gnadenlos vernichten kann. Innerhalb weniger Stunden.

Ich bin auf dem Gelände vom Golf-Club Hamburg Wendlohe. Ich stehe auf dem zerstörten Putting-Green, auf dem ich mich für viele Golfrunden eingeputtet hat.

Und vor mir ein einziger verkohlter Schutthaufen. Die Spuren eines Großbrandes, den 200 Feuerwehrleute vergeblich versucht haben, zu verhindern. Die 20 mal 60 Meter große Halle mit Golfshop, Clubhaus-Manager-Büro, Sekretariat und Lager für Hunderte von Golftaschen, Golfschlägern und Trolleys - es ist alles vernichtet. Nichts ist, wie es einmal war.

Warum ein Feuer all das vernichtet hat - bisher gibt es keine verbindliche Erklärung für die Brandursache. In den nächsten Tagen werden Experten anrücken und nach Antworten suchen. Und solange wird es Gerüchte geben, die nicht verstummen. Aber Gerüchte bringen niemanden weiter.

Was geht mir durch den Kopf, während ich vor der verheerenden Brandstelle stehe?

Ich bin kein Versicherungsmann - also weiß ich auch nicht, welcher Schaden - wenn überhaupt - von irgendeiner Versicherung übernommen wird.

Ich habe Freunde in diesem Golfclub, und ich weiß, dass es für die, die ich kenne, kein finanzielles Problem darstellen wird, sich neue Schläger, neue Driver, neue Putter, neue Golftaschen, neue Trolleys zu bestellen.



Der Golf-Club Hamburg Wendlohe gilt als Golfclub der Millionäre - aber nicht immer ist Geld alles.

Was ist alles vernichtet worden, was mit Geld nicht wieder gut zu machen ist!

Und genau daran denke ich, während ich vor diesem verkohlten Monster stehe!

Wir wissen doch alle, dass in unseren Bags nicht nur die Schläger und die Tees, die Bälle und die Marker, aufbewahrt werden.

Viele von uns haben Dinge in den Taschen, die einmalig sind. Ganz persönliche Sachen, die Erinnerungen hervorrufen. Deren Verlust ganz sicher mehr Tränen auslöst als ein verbranntes Golfbag.

o Da sind Fotos in Taschen verbrannt, Fotos und mit ihnen Erinnerungen! Fröhlichen und wehmütigen!

o Da sind Talismane im Feuer verglüht, denen zauberkräftige, Glück bringende Eigenschaften zugeschrieben werden.

o Da sind Bilder verbrannt, die Kinder für ihre Väter oder ihre Mütter gemalt haben.

o Da sind Schmuckstücke, Ketten und/oder Ringe, nur noch verkohlte Schutt und Asche.

o Da sind geschriebene Liebeserklärungen Vergangenheit, die so manchen Golfer oder Golferin auf der Runde beflügelt haben.

o Da sind Mini-Vision-Boards im Feuer aufgegangen, die neu geschrieben werden müssen.

Warum reagiere ich so sensibel auf die Verluste, die unwiederbringlich sind?

Es gibt eine einfache Antwort - ich weiß, worüber ich rede.

Ich will’s Euch sagen.

Es ist viele Jahre her, als ich mit meiner Familie Golfurlaub im andalusischen Marbella machte. Es war unser erster Golfurlaub. Ich ging mit meiner Frau und unseren beiden Kindern im Puerto Banus Pizza essen…als wir wieder zurück kamen, war das Auto aufgebrochen, und meine Golftasche (aus Leder, vier Wochen alt, ein Geschenk von Katrin) samt den Taylor Made-Schlägern war weg.

Ich hätte die ganze Costa del Sol vor Wut zusammenschreien können. Ich hab’s nicht getan, denn ich mußte Tränen trocknen.

Die Tränen unseres Sohnes, dessen erster ausgefallener Milchzahn in der Seitentasche meines Golfbags in einem kleinen Etui aufbewahrt war.

Ehrlich, dieses verzweifelte Weinen unseres Sohnes möchte ich nie wieder erleben. Nie wieder sein Schluchzen hören. Es ist bis heute unvergessen, mehr als 30 Jahre danach.

Ich hoffe und wünsche, dass kein Milchzahn in einem der verbrannten Golftaschen aufbewahrt war. Und ich hoffe und wünsche, dass die meisten Dinge, die im Feuer geblieben sind, zu ersetzen sind.

Und all den Wendlohern wünsche ich mit meinem großen Golfer-Herzen, dass sie nach der ersten Verzweiflung und dem ersten Entsetzen alles wieder aufbauen.

Aber ich bin zuversichtlich! Wie ich schon sagte, ich kenne und schätze einige von ihnen, und ich weiß, dass sie im Vorwärtsgang durchs Leben fahren. Auch, oder gerade, nach Rückschlägen.

Also, Christoph & Co., jetzt erst recht!








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