Welche Paare überleben Corona? Und wann kommt das erste Corona-Baby auf die Welt?


Manchmal liege ich nachts hellwach im Bett und grüble. Stelle mir Fragen, auf die ich keine Antworten habe.

o Wie bleibe ich gesund? Mundschutz? Zwei-Meter-Abstand?

o Was kann ich tun, damit meine Lieben gesund bleiben?

o Wie lange halte ich es noch aus in den vier Wänden und auf der Terrasse?

o Wann platzt mir der Kragen?

o Wann kann ich endlich meine Freunde wieder treffen und mit ihnen ein Glas Wein (oder auch zwei...) trinken?

o Kriege ich den Zuschuss für Soloselbständige vom Staat? Und wenn ja, wie hoch wird er sein? Und wenn nicht - was dann...?

o Wann bekomme ich endlich wieder Aufträge, die auch anständig honoriert werden?

o Wann kann ich mal wieder in ein Einkaufscenter und bei Anson's eine neuen Hose für mich anprobieren?

o Wann kann ich endlich wieder in einer Buchhandlung stöbern?

o Wann hören die Corona-Gedanken und Corona-Ängste auf, die wie ein Brummkreisel durch mein Hirn kreiseln?

Es ist ein grausames Virus, dieses Corona-Virus.

Es macht uns alle krank. Auch die, die (noch) nicht infiziert sind, sind krank. Sie husten vielleicht nicht und haben kein Fieber, sie liegen nicht auf der Intensivstation und müssen auch nicht beatmet werden - aber ihre Seelen sind nur noch ein Schatten ihrer selbst!

Ich bin da keine Ausnahme.

Ich lebe und habe ausreichend zu essen (und wenn ich klage, klage ich auf hohem Niveau) - aber ich vermisse das Leben.

MEIN Leben! Das Lachen mit Kumpels und die frivolen Witze, all die Unbeschwertheiten, die Freiheiten, sich ins Auto zu setzen und einfach mal 500 Kilometer gerade aus zu fahren. Nord, Süd, Ost, West - egal.

Ich vermisse den Flirt, ich vermisse das-in-den-Arm nehmen, ich vermisse die Beratung bei meinem Lieblings-Gemüsehändler - und vor allem vermisse ich seine Tomaten: Die rote Perle! (Vielleicht fahre ich heute oder morgen hin zu ihm und bitte ihn, mir ein paar Tomaten einzupacken und sie mir vorm Laden zu übergeben...)

Ich vermisse den Gedanken-Austausch und den Klatsch mit meiner ehemaligen Chefin und Lieblingskollegin am Hummerstand im Hanse-Viertel, ich vermisse die Pizza (übrigens die beste Pizza in der Welt) im Eisenstein. Ich vermisse einen Teil meiner Familie, die ich nur noch über Facetime erlebe. Ich vermisse meine Fröhlichkeit, meine Unbeschwertheit, Ich vermisse Kinos, Theater, Galerien, Museen, Kirchen und Kneipen. Ich vermisse Apple!

Ich vermisse die wundervolle Schwester meiner Frau, die in einer Klinik liegt und dem Tod entgegendämmert. Allein, mutterseeleienallein in einem Dreibettzimmer - niemand darf zu ihr. Nicht ihre Kinder, nicht der Mann, der(n)sie seit 30 Jahren liebt.

Ist das nicht alles komplett verrückt?

Grausam ist das alles!

So alt mußte ich werden, um Zeuge dieser Apocalypse zu werden!

Ich hoffe, dass nicht die Angst vor der Zukunft mich umbringt - sondern irgendwann (muss ja nicht so bald sein) eine 'richtige' Krankheit. Vielleicht auch der berühmt-berüchtigte Stein, der mir vom Dach auf den Kopf fällt! Oder der Herzinfarkt, der mich hinreißt nach dem ersten Ass in meinem Leben!

Wie gesagt - Corona und die Gedanken...

Ich denke auch oft darüber nach, wie das Corona-Virus das Liebesleben in meinem Golfclub verändern wird!

Wird es die Paare, die ich seit Jahren treffe, am Ende noch geben? Oder gehen sie sich so sehr auf die Nerven und kriegen sich in die Haare, dass Corona gar zum Scheidungsvirus mutiert? Und was ist mit all den jungen Paaren in meinem Club, die jetzt mehr Zeit (und vielleicht auch Lust und Muße) haben, sich so nahe zu kommen, dass tatsächlich neun Monate später ein knuddeliges Corona-Baby auf die Welt kommen wird! Ich kann mich noch sehr gut an den historischen Stromausfall in New York erinnern. Die Hauptstadt der Welt lag komplett im Dunkeln...neun Monate nach dieser Einladung zum Kuscheln gab es jede Menge Neu-New Yorker und Neu-New Yorkerinnen!

Mir soll's sehr recht sein, wenn Pinnauer Jungpärchen einen Babyboom auslösen würden. Und zwar aus zwei Gründen:

1. Ich liebe Kinder.

2. Der Golfclub An der Pinnau braucht dringend Nachwuchs!

Aber wie sieht's mit den Paaren aus, deren Partnerschaft die Corona-Krise nicht überlebt! Ehetherapeuten beraten mittlerweile online, Scheidungsanwälte stehen in den Startlöchern und können schon mal ein dickes Plus auf ihren Konten einplanen. Partnerschaften werden wesentlich dadurch bestimmt, dass sie Nähe und Distanz sowie Neues und Vertrautes für sich in die richtige Balance bringen sollten, damit alle Beteiligten die Partnerschaft auch wirklich als erfüllend erleben.

Diese Balance ist nun gefährdet!

Durch Corona werden sich bestimmte Grundprinzipen und Parameter ändern - als Folge wird sich eine signifikante Anzahl von Partnerschaften auflösen. Die Chinesen haben diese Erfahrung schon gemacht. Das Eingesperrtsein in Wohnungen und Häuern hat zu Konflikten geführt, die die Partnerschaften schnell und heftig zerstört haben. (Ich bin diesbezüglich auf der Sonnenseite: Meine Ehe ist nicht in Gefahr, weil ich schon seit vielen Jahren geschieden bin...) Die Experten vom Institut für Kommunikation und Gesellschaft (IKG) haben bei der Beurteilung der psychologischen Folgen der Corona-Krise Existenzängste und Unsicherheiten genannt.

Ich wünsche mir so sehr, dass all die Paare, die mir aus dem Golfclub über all die Jahre vertraut sind, auch nach dem Ende der Corona-Krise wieder als Paar aufteen!

Corona als Scheidungs-Virus - ich würde es noch mehr hassen als ich es sowieso schon tue!

Habe ich einen Rat für all diejenigen, denen die Decke auf den Kopf fällt? Die sich langweilen oder sich streiten? Wir kennen das - ein Wort gibt das andere, eine Vorwurf folgt auf den nächsten, all das, was man bisher aus unterschiedlichsten Gründen 'unter der Decke' gehalten hat, explodiert plötzlich. Ja, und dann kann sich der Scheidungsanwalt schon mal die Hände reiben...

Ich habe einen Tip, den ich selbst in meinem Leben mehrfach ausprobiert habe, und den ich Euch empfehle, weil er Worte und Gefühle zuläßt - und Spannungen abbaut.

Ich nenne das Spiel immer 'Reden und Zuhören'. Und es geht so:

Jeder bekommt eine Karte, auf der eine Zahl steht - beispielsweise 10 oder 15 oder auch 20. Mit dieser Karte erwirbt einer von beiden Redezeit von 10, 15 oder eben 20 Minuten. In dieser Zeit darf die Person mit der Karte alles sagen, was ihn (sie) bedrückt, ärgert, traurig macht, etc. Der Kartenschenker sitzt nur da, hört sich das an und sagt hinterher: DANKE!

Es wird nicht diskutiert, niemand muss sich rechtfertigen, es gibt nichts zu streiten, nichts zu argumentieren.

Und am anderen Tag ist der andere an der Reihe und kann - ohne unterbrochen zu werden - sagen (meinetwegen auch singen), was die Seele bedrückt.

Wie gefällt Euch dieses Spiel?




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MEDIZIN FÜR MENSCHEN

 

Hans-Heinrich Reichelt

Chefredakteur

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Tel +49 172 4223010

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