Von der Golf-Freundschaft

Golf ist ein Kontaktsport. Und der Golfplatz ist ein großer grüner Kontakthof! Beziehungen entstehen… und manchmal, aber eher selten, vergehen sie auch. Wie viel Golfer und Golferinnen habe ich schon erlebt, die sich siezten, als sie auf die Runde gingen, und Händchen haltend ins Clubhaus kamen! Man hat eben Zeit, sich etwas zu erzählen unterwegs, sich näher zu kommen in den Stunden draußen in der Natur. Mehr über den anderen oder die andere zu erfahren… wenn man denn möchte. Bei welchen Sportarten geht das schon? Nicht beim Schwimmen und nicht beim Tennis, nicht beim Fußball und nicht beim Handball, nicht beim Fallschirmspringen und nicht beim Tischtennis, weder beim Eishockey und schon gar nicht beim Boxen.

Man kann VOR dem Sport freundlich miteinander reden und natürlich HINTERHER. Aber eben nicht WÄHREND…

Und weil das beim Golf so ist wie es ist, habe ich auf vielen gemeinsamen Golfrunden einen wunderbaren Menschen näher kennengelernt, über den ich Euch heute etwas erzählen möchte: Claus Schierenbeck. Er ist nicht nur leidenschaftlicher Golfer, sondern ganz offensichtlich ein ebenso leidenschaftlicher Künstler. Aber dass kreative, künstlerische Gene in ihm stecken, hat er den größten Teil seines Lebens gar nicht gewusst.

Schicksal: Chancen in Arbeitshosen

Um das zu erfahren, musste er offensichtlich erst einmal einen schlimmen Skiunfall erleiden, sich dreimal das Bein brechen, lange hilflos und bei Minustemperaturen auf der Piste liegen, während der OP wach werden, und anschließend so sehr von Angst und Panik überfallen zu werden, dass er sich in keine Tiefgarage und keinen Fahrstuhl mehr traute. "Es war so schlimm", erzählte mir Claus einmal auf der Runde, "dass ich mit dem Auto die Stadt nicht mehr verlassen konnte." Endstation Psychosomatische Klinik. Mehr als 15 Prozent der Deutschen, über 10 Millionen Menschen (!) leiden daran. Aber im Normalfall reden sie nicht gern darüber. Es sei denn, sie werden von der Stille, dem Frieden und dem sanften Grün eines Golfplatzes umarmt.

Was bedeutete Endstation? "Für mich war sie meine Rettung" , sagt Claus. "Ein Therapeut gab mir Speckstein in die Hand. Das ist ein besonders schöner Werkstoff, der leicht und angenehm zu bearbeiten ist und eine unglaubliche Farbenvielfalt bietet. Poliert fühlt er sich warm, glatt und sehr schmeichelnd an. Ich habe eine Feile genommen und angefangen, den Speckstein zu bearbeiten." Es war ein Wendepunkt für ihn: "Ich fühlte sofort, das ist meine Passion. Das tut mir gut." Mittlerweile haben sich Angst-und Panikattacken gelegt, und aus Claus Schierenbeck ist ein Künstler geworden, der nicht nur Skulpturen aus Speckstein zaubert, sondern grandios fotografiert und vor allem Grafiken malt. Der ehemalige Ingenieur bei Lufthansa-Technik, lacht, sagt: „Aber ich male nicht mit Pinsel und Farbe. Mein Handwerkszeug sind ein Grafiktablett, ein Stift und Photoshop.“ Er nutzt den Computer als Pinselersatz: "Ich ‚male‘ meine Bilder mit dem Grafiktablett. Mit dem Bearbeitungsprogramm habe ich dann die Möglichkeit, Farben und Formen so zu verändern, bis mir das Bild gefällt."

Der Künstler in Claus Schierenbeck

Die Grafiken haben alle ihre Namen: PLANET und FLOWERS, DANCERS und RINGS, WIRRWARR und SMILE. Wer entscheidet, wann das Bild fertig ist? frage ich ihn."Also", sagt er, "meist entscheide ich, wann es fertig ist. Aber manchmal rufe ich auch meine Frau Anita. Es soll uns beiden gefallen."

Lange Zeit hat Claus Schierenbeck im Verborgenen geblüht, nur für sich und seine Seele gemalt. Die Zeit ist vorbei. Seine Bilder hängen nun bereits in einer Arztpraxis, und Ausstellungen sind geplant. Die Bilder – 1,20 Meter mal 1,60 und auf Glanzleinwand gezogen – kosten um die 400 Euro. Auf seiner Seite www.cds-art.de sind seine Kunstwerke zu sehen. Manchmal wird Claus Schierenbeck von Menschen, die ihn noch nicht so genau kennen, gefragt: "Sag mal, warum bist du eigentlich immer so gut gelaunt?" Und manchmal steckt in dieser Frage sicher auch eine kleine Portion Neid. Dann sagt Claus einfach, wie es ist: "Warum ich immer so gut gelaunt bin? Ganz einfach – weil ich zwei wunderbare Hobbys habe. Golfen und malen."

Claus, Hand aufs Herz: Was kannst Du besser - golfen ("…Handicap 16,9, aber gefühlte 54"…) oder malen?Er lacht wieder sein ansteckendes Lachen. "Für’s Malen werde ich bezahlt, beim Golfen muss ich immer noch Geld mitbringen!" Ich fürchte, lieber Claus, daran wird sich wohl auch nichts mehr ändern!

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MEDIZIN FÜR MENSCHEN

 

Hans-Heinrich Reichelt

Chefredakteur

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