Golftypen: Erkenne Dich selbst


Der Golfplatz ist der Campus der Erkenntnis. Denn leider: Bälle lügen nicht. "Erkenne dich selbst", sagte Sokrates und meinte damit, dass wir (meist) nicht ganz die sind, für die wir uns halten. Der Sage nach wurde der griechische Philosoph nach seinen unendlichen Debattier-Runden nicht immer wohlwollend von seiner Gattin Xanthippe empfangen. Das hat er mit vielen Golfern gemeinsam. Lernt die unterschiedlichen Typen kennen…

Der PUTTEN-WILL-GELERNT-SEIN-TYP. Er hat sich im Schlafzimmer eine Puttbahn angelegt. Jeden Abend, bevor er ins Bett geht, puttet er noch ein Weilchen. Dumm nur, dass seine Frau längst eingeschlafen ist, wenn er fertig eingelocht hat. Aussichten: Sein Handicap könnte sich verbessern, seine Ehe wird wohl scheitern… Oder: Soll sie ewig auf ihren Putter warten?

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Der BOHRT-SICH-EIN-TYP. Er spricht den Ball an, dann Probeschwung. Er spricht den Ball noch mal an, sucht dabei seine Position, wackelt mit dem A…, gräbt die Schuhe in den Fairway, Probeschwung. Noch mal ansprechen, noch mal wackeln, noch mal Probeschwung. Dann aber, zack,weg ist der Ball. Vielleicht 30 oder 40 Meter. Danach die gleiche Prozedur: Wieder spricht er den Ball an undsoweiterundsoweiter. Viel Spaß noch…die nächsten sechs Stunden. Kommentar von meinem Golffreund Uwe: "Schlägst Du bald oder nimmst Du noch Anlauf?"

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DER PROBLEMBESPRECHER-TYP: Er nimmt Dich beiseite, und nach jedem Schlag will er Dir erklären, warum seine Tochter das Abi nicht schafft, warum sein Sohn die Lehre vergeigt, warum (ja warum eigentlich???) seine Frau nicht mehr mit ihm pennt, warum er nicht mehr mit seinem Bruder spricht, warum sein Chef ein knickriger Drecksack ist, warum auf seine Freunde kein Verlass ist, warum alle auf seine ‚geile Karre‘ neidisch sind. Mensch Alter, leg’ Dich auf die Couch, wenn Du Dich ausquatschen willst. Verschone uns mit Deinen Seelenblähungen!

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Der TOP-TYP: Kein Ball fliegt, er toppt jeden Ball. Er nimmt es quasi lustig. Allerdings kann nur er darüber lachen, wenn er zum x-ten Male klagt: "Ich kriege heute einfach keinen hoch…" (hahaha, und was war gestern – und wie wird’s morgen?) Oder er nennt seinen flachen getoppten Raketen "Kaninchenficker…". Wieder kein Lacher!

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Die Wahrheit ist nicht statisch, sondern flexibel.

Der SCHUMMEL-TYP. Er schlägt einen weißen Ball vom Abschlag ins Rough. Er findet einen gelben und ruft: "Ich hab’ ihn!". Das ist noch dreister als bei James Bond Goldfinger. Er bringt für den ganzen Flight die Scorekarten ins Sekretariat und macht auf dem Weg dahin aus einem Strich (null Punkte) auf seiner Scorekarte eine Vier (zwei Punkte)! Zu dumm, dass sich einer im Flight an seine Scores erinnern konnte. Clubverweis, neue Clubsuche, auf ewig verschis… bei allen, die er versucht hat, zu betrügen. Dumm gelaufen, aber richtig so.

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Der SCHWEIGER-TYP. Nein, nicht Til-Schweiger-Typ, sondern der, der auf der ganzen Runde kein einziges Wort sagt. Hallöchen, Golf ist auch ein Kommunikations-Sport, keine Taubstummen-Nummer.

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Der QUATSCHER-TYP. Das Gegenteil vom Schweiger. Der ist noch schwerer zu ertragen. Es gibt keinen Ball, den er nicht kommentiert. Halt doch einfach mal die Klappe!

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Der UNBEHERRSCHTE-TYP. Er wirft mit dem Schläger, flucht und schreit seine Wut hinaus, schlägt sich mit der flachen Hand gegen die Stirn, tritt gegen sein Bag. (Als könnte das Bag etwas dafür???) Er meckert seine Frau an, und zwar laut. Nee, dieser Typ gehört in den Käfig und nicht auf die Golfrunde.

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Der BESSERLEGER-TYP. "Ist das mein Ball?" Nicht nur auf das Logo geguckt, sondern den Ball angefasst, kurz hochgehoben, identifiziert und – ja, klar – wie zufällig besser gelegt. Unschuldig geguckt und geglaubt, die anderen hätten’s nicht gesehen. Idiot, glaubst Du, du spielst mit Blinden?

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Der ICH-BIN-DER-GRÖßTE-TYP. "Geiler Drive." - "Grandios aus dem Bunker." – "Super Annäherung." – "Sensations-Putt." So hören sich seine Selbstgespräche in etwa an. Armer Golf-Wicht, der sich nur selbst lobt, aber die beiden Birdies seines Mitspielers vor lauter Ego übersieht.

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Wenn er nicht so will wie Du…

Der ICH-STELL-DICH-IN-DIE-ECKE-UND-WILL-EUCH-NIE-WIEDERSEHEN-TYP. Damit droht er seinen Schlägern und seinem Bag nach jedem miserablen Schlag. Und wer steht am anderen Tag wieder auf dem ersten Tee? Genau…er. Und was sagt er: "Na, ja, ich glaub, heute treff’ ich sie besser…"

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Der RASER-TYP. Seine liebsten Sätze: "Mach schon mal. Schlag schon mal ab. Worauf wartest du? Ich fahr’ schon mal vor." Mensch, Kurt, wir sind auf dem Golfplatz und nicht auf der Flucht.

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Der FRÖHLICHE-TYP. Da nenne ich nur einen Namen. Willy! Alle mögen ihn: Männer, Frauen, er ist Charmeur, Zigarrenraucher, er trägt die buntesten Klamotten, und er schlägt einen Drive, der sich gewaschen hat. Willy, gut, dass es dich gibt. Unseren Willy müsste man klonen. Dann hätten wir mehr gute Laune auf den Bahnen.

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Der HÄTTE-WÄRE-TYP: Der Ball liegt 30 Meter links neben dem Green, und er sagt doch allen Ernstes: "Wäre die Fahne weiter links gewesen, wäre der Ball genau an der Fahne gewesen." Stimmt. Wäre, hätte, Fahhradkette!

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Der GESTERN-FLOGEN-MEINE-BÄLLE-BESSER-TYP! Klar, gestern war alles besser. Aber heute ist heute. Zeig, was Du heute kannst.

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Der EHRGEIZIG-TYP. Er trainiert erstmal sechs Monate zu Hause (im Flur vorm Spiegel den Schwung, im Garten über die Sandkiste der Kinder die Annäherung, per Video die Drives), weil er gehört hat, dass es beim Turnier in vier Monaten für ein Ass einen Porsche geben soll. Der Tag kommt, der Porsche steht als Lockmittel da, er ist am Abschlag… und zack, zieht einmal kräftig durch. Und dann steht er etwa so dicht am Ball wie v o r dem Abschlag und wundert sich, wo sein Hauptgewinn bleibt. War wohl nix. Zurück auf Los.

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Der MÜRRISCHE-TYP. Mürrisch sein ist keine Schande – schlimm wird’s, wenn er damit den ganzen Flight ansteckt. Das Leben ist zu kurz für eine Runde mit 'nem Mürrischen.

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Der SUPER-GEKLEIDET-TYP: BOSS-Schuhe, BOSS-Socken, BOSS-Hose, (BOSS-Unterhose ?), BOSS-Hemd, BOSS-Handschuh, BOSS-Cap. Alles perfekt , aber kein BOSS-Schwung. Du kannst da gar nicht hingucken. Irgendwann bricht er sich das Handgelenk.

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MEDIZIN FÜR MENSCHEN

 

Hans-Heinrich Reichelt

Chefredakteur

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