Mein zweites Zuhause I

Der Golfclub - was ist das für Euch?

Welche Bedeutung hat er für Euch?

Ist er nur ein Club mit Monatsbeitrag, oder ist er mehr?

Bevor ich Eure Antworten abwarte, will ich Euch sagen, was mein Golfclub An der Pinnau für mich ist: Er ist mein zweites Zuhause! Und das seit 33 Jahren!

Gestern ist mir das wieder so sehr bewußt geworden … es sind die sogenannten Kleinigkeiten, die das Zuhause im Grünen so heimisch machen!

Auf dem Parkplatz binde ich die Schnürsenkel meiner Golfschuhe, als ich plötzlich hinter mir eine Stimme höre:“ Hi Heiner…schönen Sonntag für Dich…“

Beim Putten auf dem Übungsgrün taucht Rosi neben mir auf. Ihre Augen leuchten - sie sagt mir, wo sie vorhin einen Birdie gespielt hat, und sie schwärmt von einem Mann, der ihr etwas ganz Besonderes aus dem Urlaub mitgebracht hat…?

Einen Ring? frage ich.

Sie lächelt. Verschwiegen. Und das ist Rosi nicht immer…

Axel sieht mich, mein kleiner/großer Freund, Sohn meines Freundes. Er kommt auf mich zugelaufen, in der einen Hand ein kleines Päckchen mit drei Bällen und fünf Tees, in der anderen die Siegerliste des Jugendturniers. Axel hat gewonnen…sein neues Handicap ist ab sofort 17!

Gratulation Axel, dem wunderbaren Jungen, der längst seinen Vater und mich ausdrivt!

Vor dem Clubhaus begegne ich Franca. Sie gehörte mal zu Deutschlands besten Golferinnen. Nun ist sie Mutter (und natürlich immer noch eine begnadete Golferin) und versucht, ihre Jungs in die Golfspur zu bringen. Wir reden über das Leben…über das Älterwerden, über das Sterben. Und plötzlich ist sie sooo traurig…sie spricht über ihren Vater, den sie so sehr vermißt. Und wie sehr sie ihren Kindern gewünscht hätte, ihn als Opa zu haben. 59 Jahre alt ist Francas Vater geworden, vor 20 Jahren ist er gestorben…aber traurig ist Franca immer noch. Es vergeht kein Tag, an dem sie nicht an ihn denkt.

Ali biegt um die Ecke, mein Freund. Ich bin mittags erst aus Berlin gekommen - er muss abends nach Rostock. Aber dazwischen ist Platz für gemeinsame neun Löcher, für lange Drives, sichere Putts…und den Austausch von Gedanken.

Nach der Runde sitzen wir noch kurz auf der Terrasse mit Detlef zusammen…er hat fünf Löcher gespielt. Allein. Nun liegt seine Seele auf dem Terrassentisch - nach drei Jahren hat er sich von seiner Freundin getrennt. Sie war zu eifersüchtig, klagt er…und sagt ganz nachdenklich (und glaubhaft!): Dabei hatte sie keinen Grund. Wirklich, keinen einzigen Grund.

Es sieht aus, als würde er sie vermissen!

Ok, das war’s für heute.

So ist das immer, wenn ich in meinen Heimatclub An der Pinnau bin.

Man spielt nicht nur. Man redet, man hört sich zu. Man lacht, und zwar herzhaftt und oft laut. Man winkt sich zu, man freut sich, den anderen/die andere zu sehen. Man lästert auch ein bißchen. Der Golfclub ist der moderne Kontakthof.

Ich bin sicher: So mancher fährt lieber in sein zweites als in sein erstes Zuhause…

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MEDIZIN FÜR MENSCHEN

 

Hans-Heinrich Reichelt

Chefredakteur

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