Das Spiel, das zwischen den Ohren und in der Seele entschieden wird

Woran liegt es eigentlich, dass ich den kleinen weißen Ball an manchen Tagen sehr gut, an manchen Tagen weniger gut treffe, und dann wieder gibt es Phasen, in denen ich ihn gar nicht treffe.

Dabei bin ich jeweils der gleiche Heiner, der den Ball anspricht. Ich habe die gleichen Schläger, ich nehme mir Zeit, ich spiele die Bahnen, die ich meistens spiele. Der Ball ist weder größer noch kleiner.

Mein Handicap hat sich nicht verändert!

Das war so ein Golftag: Schwarze Wolken über mir, dunkle Gedankenwolken in mir


Oder vielleicht doch? Nicht das, das der Deutsche Golfverband für mich führt, aber möglicherweise das Handicap, das ich mit mir herumtrage!?

Das Golfspielen findet zwischen den Ohren statt - heißt es so schön und so treffend. Und das bedeutet, dass die Gedanken eine wesentliche Rolle spielen. Denke ich gerade positiv und unbeschwert - dann schwinge ich locker und unbeschwert, dann fliegen die Drives, dann liegen die Annäherungen 'tot an der Fahne', dann ist kein Rough zu tief, dann taumeln die Putts nicht ein paarmal übers Green, sondern landen direkt da, wo sie hingehören; im Loch.

Das sind die Golftage, die Freude bereiten. Ich hatte viele solcher unbeschwerten Golftage, einer der unbeschwertesten war, als ich in einer lockeren Abendrunde eine Zwei spielte. Als ich mich ratzfatz von hcp 15 auf hcp 11 herunterspielte. 18 Löcher, die in meine Golfgeschichte eingehen...aber natürlich auch deshalb, weil das halbe Clubhaus mich feierte! Natürlich auf meine Kosten!

Gehen, immer weitergehen, nicht stehen bleiben...auch die Wolken ziehen weiter!


Aber ich kenne auch die Tage - derzeit erlebe ich sie intensiv - an denen ich nicht allein auf dem Golfplatz stehe. Ich bin dann in Gesellschaft - für meine Mitspieler sind meine Begleiter unsichtbar. Klar, schließlich haben sie kein Gesicht, keine Stimme, keine Mimik, sie driven nicht, und sie putten nicht.

Nur ich spüre sie - die Emotionen auf/in meiner Seele. Sie be(er)drücken mich, sie machen mich traurig, nachdenklich, ernst, sie machen mich ängstlich, sie nehmen mir Hoffnung. Und weil die Emotionen das alles können, weil sie sich einfach nicht von der Schulter abschütteln lassen, weil sie so mächtig, ja, übermächtig, sind, beeinflussen sie mein Spiel.

Leider verbessern sie es nicht, leider läßt sich sogar mein Score von meinen unsichtbaren Begleitern beeinflussen, runterreißen.

Was mache ich an solchen Tagen, in solchen Phasen?

Ja, ich gehe auf den Golfplatz. Ich hole die Schläger aus dem Bag. Ich schwinge. Ich versuche, stärker zu sein als trübe Gedanken und Seelenfolter.

Und irgendwann - da bin ich ganz sicher - werden meine fürchterlichen Begleiter in der Versenkung verschwunden sein. Irgendwann werde ich Licht am Ende des Tunnels sehen.

Licht, das für uns alle so hell strahlt, als hätte es nie einen Tunnel gegeben!


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